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durch Oregons Berge (1) – Blue Mountains

Sonntag, 19. Februar 2012

in Ontario, Oregon; 25., 26. August

Hannas Besuch im Zahntechniklabor in Ontario kann ich für einen wunderbar langsamen Haarschnitt beim barber nützen, einem etwa 30jährigen Mann, dem es sichtlich Freude macht, sich um die paar Haare so sorgfältig zu kümmern, als wäre damit noch eine Frisur herbeizuzaubern. Da wird kein Handmaschinenmäher verwendet, um in ein, zwei Minuten alles Haar auf 5 Millimeter stutzen, wie das meine Wiener Frisörin am liebsten tut, weil ich unwiderruflich für sie nie mehr ein frisierbarer Kunde werden würde. Mein Ontario-barber hat mich mitten in seinem Salon auf einen erhöhenden Stuhl gesetzt, mich mit Schere und Kamm umkreist und hunderte Male geschnippselt und immer wieder aufmerksam kontrolliert, ob die Schnitte auch ein ansehnliches, gleichmäßiges Bild ergäben. Ich konnte sein Werken gar nicht überprüfen, weil mir gegenüber kein Spiegel hing.  Mir vis-à-vis ist statt dessen ein älteres, reichlich dickes Ehepaar, das kurz nach mir hereingekommen war und auf der Stuhlreihe Platz genommen hatte. Diese Anordnung der wartenden, der behandelten und der behandelnden Personen im Raum hätte ein schweigendes Nebeneinander gar nicht vertragen; so kam, was kommen musste angesichts meines Fahrrades vor der Eingangstür und der Motorradbilder an den Wänden des barber-shop: bicycling or motor-biking? Die Antworten – es ging unter anderem auch um Präferenzen – waren stark körpergewichtsabhängig.

Die speed-Etappe von Murphy nach Ontario hat mehr Energie aus meinem Körper herausgeholt, als ich ihm zugeführt hatte. Das hat er sich nicht gefallen lassen und am Morgen des übernächsten Tages unerbittlich zusätzliche Gesundschlafstunden eingefordert. Erst nach der dritten Nacht war ein Weiterfahren zumutbar geworden.

von Ontario, OR nach Brogan; 27. August
von Brogan nach Unity Lake State Park; 28. August
von Unity über den Blue Mtn und den Dixie Summit (Blue Mountains) nach John Day; 29. August

Riesige Werbetafeln am Berghang vor Vale zeigen den hier Vorbeifahrenden, dass sie sich auf schwer geschichtsträchtigem Terrain befinden, dem Oregon Trail. Auf dem waren wir zwar schon vorher – zumindest annähernd – auf unserem letzten Idaho-Abschnitt von Grand View bis Marsing bzw. Homedale und auch schon davor, allerdings auf Goodale’s Cutoff in High Prairie. Doch erst hier in Oregon werden wir so augenfällig – mit großen stage-coach-Plakaten – darauf aufmerksam gemacht. Vale präsentiert sich als Stadt, die man,  so empfehlen die Schilder am Ortseingang recht eindringlich, doch unbedingt ansehen soll, weil hier die Geschichte der emigrants, der pioneers am Oregon Trail auf zahlreichen Wandmalereien anschaulich dargestellt sei. Visit Vale and its Murals! Und tatsächlich wird schon gleich bei der Einfahrt in den Ort deutlich, dass hier der Versuch unternommen wird, mit dem Mural-Concept der Oregon Trail Geschichte dem Städtchen eine tourismuswirtschaftliche Attraktion zu verpassen.

Die Bewässerungssysteme auf den Feldern sind alt, primitiv; man sieht Latinos, die die hunderten Wasserwinkelheber händisch so positionieren, dass das Wasser aus dem Graben am Rain über den Ackerrandwulst hinüber in die Furchen rinnt. Im Ort sind alle Aufschriften, Informationen und amtlichen Nachrichten zweisprachig, spanisch und englisch. Die Wandmalereien spiegeln die ethnische Vielfalt der Ortsbewohnerschaft wider. Die unter der Fast-Food-Kette „Dairy Queen“ firmierende Imbissbude wird von Latinas betrieben; es schaut so aus, als wäre die weiße Tünche gerade erst kürzlich auf die Wände, die Decke und die Fenstergesimse aufgebracht worden. Das Essen ist nicht mehr erwähnenswert, alles déjà vu. An den kleinen, fragilen Tischen sitzen junge Arbeiter in Camouflage-Overalls, Mütter mit Kinderwägen, Buben und Mädchen, ein paar Rentner und ein Lehrer mit seiner Frau – eigentlich ein nahezu repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung, wie mir scheint. Er sei hier aufgewachsen, erzähltuns der Lehrer vom Nebentisch, mit dem wir ins Reden gekommen sind, nur kurz wäre er weggezogen, aber sehr bald nach Vale zurückgekommen; mit den jungen Menschen in der Schule hier zu arbeiten, hier, wo er sich gut auskennt, wo er etwas weiterzugeben hätte, etwas Wichtiges, hier zu bleiben – das macht für ihn Lebenssinn, erst recht in Zeiten wie den jetzigen und hier, den Jungen trotz allem Kraft und Hoffnung zu geben. Mainstream definiert sich an den Ausnahmen, fällt mir dazu ein. Unsere fish and chips werden aufgerufen. An der Budel neben den Gaskochern und der Friteuse und an diversen Abstellflächen, wo die üblichen Tischutensilien versammelt sind, werken zwei, drei Mädchen im Schulalter, sie gehören wahrscheinlich zu dem Familienbetrieb. Die kleinen Buben blödeln am Pepsi- und Eiswürfelspender.

Schon vorige Woche, in Idaho Falls, hatten wir uns für die Weiterfahrt von Vale westwärts die Strecke über die Berge, auf dem Highway 26, ausgesucht wegen der Hitze in der Wüste, die auf der Route am südlichen Rand der Blue Mountains, dem Highway 20, zu erwarten war. Heute, zurückblickend, weiß ich, dass diese Entscheidung eine gegen Meek’s Cutoff war, der hier in Vale vor über 150 Jahren einen wagon-train von der Hauptroute des Oregon Trail weg südwestwärts fast ins totale Verderben geführt, den Emigranten eine Abkürzung versprochen hatte, einen Weg, auf dem man den Gefahren der Berge ausweichen könne.

Wir verlassen aber nach Vale auch den „normalen“ Oregon Trail, der von hier ziemlich genau nach Norden Richtung Huntington lief, und radeln in das flache Tal des Willow Creek hinein. Da sind nicht mehr die riesigen Farmland-Monokulturen, wie wir sie in North-Illinois und in Wisconsin oder auch schon in Ontario/Canada gesehen hatten. Alles ist vergleichsweise noch ärmlicher als oben in der High Prairie in Idaho. Die Felder sind leicht überschaubar, die Bewässerungskanäle werden händisch gewartet, überall sind kleine Hütten, Behausungen eingestreut, hin und wieder schauen uns Pferde auf kargem Weideland beim Vorbeiradeln nach. Die großen, wie Riesenspinnen aussehenden, metallisch schimmernden Silokomplexe gibt es hier nicht.

An der Main Street von Jamieson wächst das Gras schon fast über die dort zur Verrottung abgestellten Autowracks. Der grocery store neben dem post office hat schon vor wer weiß wievielen Jahren sein Verkaufspult hochgeklappt; der mit Holzlatten verkleidete Laden wird für seine Verwitterung sicher nicht so lange brauchen wie die rostigen pick-ups und vans. Das Postamt, die kleine, graue Betonschachtel, zu der überproportional große Betonrampen mit Geländern hinführen, wird, so erfahren wir später in Brogan,  noch zweimal pro Woche ein paar Stunden bedient.

Grabsteine Lesen ist eine besondere Art, über längst vergangene Zeiten etwas erzählt zu bekommen. Es sind zwar nur ganz kleine Splitter, Stückchen eines Puzzles, das mit dem Teil und seiner Inschrift gar nicht einmal beabsichtigt war. Aber sie animieren – manche stark, andere nur wenig – im Kopf des Betrachters ein Bild daraus zu formen: Died Sept.12, 1899 Aged 1 Y, 1 Mo, 22 D’s. oder ganz häufig vorkommende Namen wie Scott, Kendall, Logan oder der Stein einer 23jährigen, die 1885 gestorben ist, also möglichweise als Mädchen mit ihren Eltern in so einem stage-coach auf dem Oregon Trail … vielleicht geführt von Jonathan Keeney, Died Aug. 15, 1878, Aged 62 Y’s & 13 d’s

In Brogan ist im internet unsere letzte Möglichkeit für’s Zelten mit Trinkwasser und Waschgelegenheit angegeben; der nächste Ort wäre für uns heute unerreichbar weit gewesen. Es ist ein RV-Park, dessen host wir erst mit einiger Mühe ausfindig machen. Trotz seines ziemlich betrunkenen Zustands – vielleicht stecken auch andere berauschende Mittelchen dahinter – ist er für 10 $ perfekt imstande, uns einzuweisen und uns über die grundlegenden Einrichtungen am Platz zu informieren, inklusive den Bereich, wo wir am besten unser Zelt aufstellen könnten. Die Nachbarn scheinen Dauerbewohner eines schon fast „angewachsenen“ mobile homes und eines Wohnwagenanhängers zu sein. Das bestätigt im späteren Gespräch auch der etwa 40jährige Mann, der mit Frau, zwei Kindern und der Mutter schon vor etlichen Monaten hier quasi „sesshaft“ geworden ist. It’s much cheaper out here. Zur Arbeit fährt er täglich fast bis Ontario mit seinem alten japanischen Auto.

Bevor es dunkel zu werden droht, spazieren wir noch die paar Schritte durch den community park – ein paar Quadratmeter Grün mit einer historischen Informationstafel über einen gewissen Dennis Brogan, der vor rund 100 Jahren hierher gekommen war. His dream was to build a brand new agriculturally based city, complete with a hotel, schools, a bank, stores and residences on the middle reaches of Willow Creek. Auch eine Eisenbahn, mit der Agrarprodukte und auch Menschen bis nach Ontario hinaus befördert wurden, war damals gebaut worden – heute ist davon leider nichts mehr zu sehen, auch von dem nur ein paar Jahre blühenden Städtchen seien nur wenige Überbleibsel oben am Berghang zu finden.

Wir schaffen’s noch hinüber, downtown Brogan, zur Tankstelle mit dem alten convenient store. Ein paar Pepsi Colas und irgendwelche abgepackten Küchlein sind der Grundstein zu einem idyllischen, hochsommerlichen Frühabend in der allmählich untergehenden Sonne. Zwei Hähne und eine einsame Henne formieren sich zu ihrer early-evening-show, in der die Prinzessin sich von den beiden Gockeln über einen ideellen Parcours jagen lässt, aber keinem den Sieg schenkt. Sie lege keine Eier, erklärt uns die junge, etwa 25jährige Frau von der Tankstelle, und einer der beiden Hähne, sie wisse aber nicht genau welcher, habe um eine Spur mehr Chancen als der andere. Und was hielte sie hier in Brogan? fragen wir neugierig nach. Sie blickt kurz weg vom Computerbildschirm – hier gibt es nicht einmal internet – und erzählt uns, dass sie sehr glücklich sei, mit ihrer Tochter hier zu leben, das wäre auch viel gesünder und sicherer als in der Stadt. Dreimal pro Woche pendelt sie nach Ontario zum Ausbildungskurs für  Krankenschwestern. Das dauere noch und sie sei froh, diesen job hier im Tankstellenladen zu haben. Aber die Eigentümerin wolle verkaufen, sie habe jedoch bis jetzt keinen Käufer gefunden. That’s good for me! lacht sie. Fast habe ich den Eindruck, dass wir es sind mit unseren zweifelnden und unverständigen Gesichtern, die sie zum Staunen bringen: Was diese Leute – wir – daran, an ihrer Zufriedenheit hier, so sonderbar fänden? mag sie sich vielleicht fragen. Es scheint, dass – im Gegensatz zu mir – es für diese junge Frau überhaupt nicht verwunderlich ist, hier ohne Radio, ohne Fernsehen, ohne internet, ohne irgendwelche Einrichtungen für ein soziales Leben, hier in Brogan, einem Ort mit beinahe „ghost-town“-Status am Rand zwischen Farmland und Wüste, bleiben zu wollen, obwohl sie Vale, ja sogar Ontario, die Stadt, kennt. Malheur County – ist nomen doch kein omen? Die beiden Gockel und die alte Prinzessin kehren von ihrer Spielrunde wieder zurück; wir verlassen die kleine Laube an der Zapfsäule und gehen zurück zu unserem Zelt, vorbei an dem in der letzten Abendsonne leuchtenden Bierschuppen.

Am Rückweg sehen wir die Tankstellenbesitzerin, wie sie in ihr Auto steigt, ein paar Meter hinüber zum RV-Park fährt, dort irgendetwas holt, noch einmal rund 30 Meter fährt, aussteigt, einen Rasensprinkler einschaltet, danach wieder zurückfährt, das Auto abstellt und in ihrem Haus verschwindet. Das waren in Summe vielleicht 150 Meter. Die spinnen, die Amis. Und wiederum verstehen wir nichts.

Die Nacht war durchsetzt von Störungen. Irgendwelche Männer, das war am Klang der Stimmen zu erkennen, haben versucht, mit ihrem Auto ihren entlaufenen Hund zu finden und sind unzählige Male durch den RV-Park gefahren. Jedenfalls habe ich mir aus den paar Wortfetzen, die ich manchmal hören konnte, diese Erklärung zurecht gelegt. Andere Interpretationen wären eher beängstigend gewesen; man muss ja nicht krampfhaft an Easy Rider Szenen festhalten und sich meschugge machen. Unausgeschlafen, ein paar wärmende Morgensonnenstrahlen für’s Frühstück suchend, kommen wir trotz der Unwirtlichkeit des Ortes wieder nicht so früh weg, wie es die zu erwartende Tageshitze eigentlich verlangt hätte. Nach der Tankstelle beginnt gleich der Anstieg.

In großzügigen Kurven schwingt sich die Straße nach Brogan durch die trockenen, kargen Gräben hinauf in die Berge. Die Auffahrt war etwas quälend, weil für den Brogan Summit die Höhenangabe in der miserablen Straßenkarte um rund 1200 Fuß zu niedrig eingetragen ist.

Aber oben, am Übergangspunkt angelangt hat man wieder dieses beflügelnde, erhebende Erlebnis, das einem der Rundblick in die Weite dieses Landes beschert. Dort hinten, in der Ferne, am Ende der vor uns ausgebreiteten Hochebene von Ironside, zwischen diesen Bergen am Horizont muss er sein, der Pass mit dem sehnsüchtig machenden Namen: Eldorado Pass. Dahinter haben wer weiß wieviele tausende Abenteurer, Träumer, Verführte ihr Goldland vermutet. Wir hingegen hatten nur auf eine Bar in Ironside gehofft. Vergebens; die Bude war längst aufgelassen und gerade so ausgetrocknet wie der ganze Creek, der angeblich ein großes Reservoir nordöstlich von dem nur mehr auf der Landkarte existierenden Ort Ironside mit Wasser versorgt.

Auf etwa  1400 m, am Eldorado Pass, informieren zwei Schilder am Straßenrand: Pacific time – set your watch back one hour. Entering Baker County. Es ist das letzte Mal auf unserer transkontinentalen Fahrt, dass wir die Zeitzone wechseln. Und einmal mehr witzeln wir lachend über die Rechenaufgabe, wie spät es wohl jetzt in Wien sei und ob die Sonne dort ab diesem Zonenwechsel eine Stunde früher oder später aufgehe…..

An der Ortseinfahrt von Unity weist ein Schild auf ein tourist information center, dem wir – stets in der Hoffnung auf Information zu Einkaufs- und Übernachtungsmöglichkeiten – natürlich folgen. Die Dame in dem Info-Laden sagt, dass der Supermarkt drinnen im Ort bald schließen würde. Dann ruft sie den Besitzer dort an, er möge noch mit dem Zusperren auf uns warten, wir könnten uns also in aller Ruhe noch hier umsehen. Zum Campground am Lake Unity seien es nur ein paar Meilen, der Weg dorthin sei gut beschildert.

Nach dem inexistenten Ironside überrascht Unity: Das ist ja wirklich ein Ort mit etlichen Häusern; eine Bar gibt’s auch, mit Leuten drinnen, jung und alt, keiner der Männer ohne die obligate Baseball-Mütze am Kopf. Am überbreiten Tresen hocken sie und halten ihre Bierdosen, die in Neoprenüberzüge eingepackt sind, damit sie nicht so schnell auskühlen. Der Plafond des Saloons ist voll mit angenagelten oder angehefteten 1 Dollar Noten. An den hölzernen Wänden hängen Bilder von diversen Cowboy-Helden. Wir bleiben nicht lange, zu bedrückend ist die Atmosphäre.

Die Anlage am Lake Unity ist ziemlich groß. Radfahrer werden auf den bikers‘ camp verwiesen – das ist der miserabelste Zeltplatz, voller Steine, kein schattenspendender Baum, keine Sitzgelegenheit mit Tisch, rundherum Wasser sprühende sprinkler, die den leicht zum ausgewiesenen Platz abfallenden Hang fluten. Die Spitzenplätze sind den RVs (Recreational Vehicles) vorbehalten – in deren Nachbarschaft ist es aber für einfache Zeltleute nicht auszuhalten, weil ihre Klimaaggregate die ganze Nacht surren. Hanna drängt darauf, einen dieser abseits gelegenen RV-Plätze zu besetzen. Der Vize-host, ein freiwilliger Helfer, hat da gar nichts dagegen, sondern sogar volles Verständnis; es täte ihm leid, dass die bike-Plätze so schlecht seien. Diese Nacht war gerettet, zum Glück blieb auch das Gewitter aus, das wir befürchtet hatten – die hoch aufgetürmten Wolken hatten diese Furcht begründet.

Der Blick nach Westen, in der Morgensonne am Lake Unity, lässt die Aussicht auf schattige Abschnitte auf der bevorstehenden Etappe hochkommen. Hinter den ersten noch braunen Gräben und Buckeln werden höhere, bewaldete Berge sichtbar. Die Blue Mountains scheinen ein beliebtes Ausflugsziel zu sein: Am Weg hinauf zum gleichnamigen Pass fährt man an zahlreichen Wegweisern zu Zeltplätzen vorbei, die abseits der Straße versteckt in den hochgewachsenen Föhrenwäldern liegen. Der Waldboden ist staubtrocken. Wenn da ein Feuer ausbricht, möchte ich nicht hier herinnen sein. In mir kriecht ein mulmiges Gefühl hoch, genährt von beängstigenden Vorstellungen, mit dem Fahrrad vor einem Feuer und dem Qualm flüchten zu müssen. Einen Energieriegel verspeisen und noch einen block-shot hintennach in den Mund, dann die kurze Rast im Schatten beenden und lieber rasch weiter radeln. Nach dem Blue Mountain Summit geht’s wieder hauptsächlich bergab, vorbei an großen Forstwirtschaftsgebäuden; an der Abzweigung nach Austin steht eine Tankstelle mit einem Restaurant – Chance für einen weiteren energy-refill; der Dixie Summit liegt ja noch vor uns.

Die Schilder haben wir schon, seit wir durch Amerika radeln, gesehen – jedoch hier in den Blue Mountains sind wir erstmals einem Trupp von Freiwilligen (volunteers) begegnet, der sich im Rahmen des Adopt a Highway Programs um die Reinhaltung eines Straßenabschnittes kümmert. Links und rechts der Straße liegen große gelbe Plastiksäcke – gefüllt mit all dem Zeug, das Autofahrende aus ihren Fenstern werfen; vermutlich sind auch Tierkadaver und Fetzen von zerplatzten Reifen dabei. Dann sehen wir die Leute, wie sie diese Säcke auf einen Pick-up heben und langsam weiterfahren, zum nächsten Sack. Für’s Einsammeln des Abfalls werden sie, ihre Organisation oder auch die Familie, die hier in der Gegend lebt, auf dem Schild am Straßenrand öffentlich sichtbar namentlich aufgeführt. Immer wieder sind auch Schilder zu sehen, die auf Lücken in dem System der freiwilligen, ehrenamtlichen Straßenreinigung deuten: These 2 miles are waiting for you – adopt a highway program!

Kurz nach dem Dixie Summit verweist ein Historical Marker auf eine Eisenbahn, die Sumpter Valley Railroad – das überrascht ziemlich, ist es doch sehr gebirgig und zerklüftet hier. Da man die alte Trasse nur über einen steilen Fußsteig, der den Abhang hinunter führt, erreichen könne, verzichten wir auf diese Extratour. Bald  führt die Straße aus den Wäldern heraus – der Ausblick weitet sich, ist aber ganz diesig; die Konturen der Bergkette auf der gegenüber liegenden Talseite sind trüb und unscharf. Das Tal selbst scheint mit einer hellgrauen Wolke zugedeckt zu sein, auf die wir hinunter fahren. Dieser Eindruck täuscht aber. Der eingetrübte Blick bleibt zwar, aber es ist keine Wolke zu sehen.

Prairie City ist eine quirlig anmutende Kleinstadt mit viel Verkehr, reichlich landwirtschaftlichen Vehikeln – aber auch etlichen Motorrädern und Freizeitautos. Wir beschließen, weil der Tag noch eine Zeit lang hell zu bleiben verspricht, zumindest bis John Day weiter zu fahren. Dort konnten wir sogar unter mehreren Motels auswählen – auch das Bar-Angebot war nicht auf die Einzahl beschränkt.

Mehr Trans-Oregon-Bilder im Album!

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One Comment leave one →
  1. Gerhard Weiss permalink
    Donnerstag, 22. März 2012 22:09

    Sehr gut und witzig, jedenfalls kurzweilig beschriebene Etappe mit ein paar echten Gustostückerln, was die Bilder betrifft. Lesevergnügen..

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