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durch Idaho (1) – Farmland, Wüste, High Prairie

Dienstag, 31. Januar 2012

Wie weiter? Planungstag in Idaho Falls
18. August 2011

In ziemlich genau vier Wochen sollen wir in San Francisco in den Flieger steigen; bis zum Pazifischen Ozean sind es noch rund 1.300 km, den wir in Florence, Oregon, erreichen wollen; von dort sind es weitere 900 km bis San Francisco; noch zusätzliche 200 km bis nach Pacific Grove, Monterey Bay, von wo man ja wieder zum Flughafen zurückfahren muss. Es war ohne Zweifel sehr schnell klar, dass wir – bei Einhaltung unserer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit und unseres Reisestils – einen Teil dieser Strecke mit Bus und/oder Eisenbahn bewältigen müssten. Aber welcher Teil soll es werden? Die Frage beschäftigte uns mehrere Stunden des gestrigen Tages. Das klingt übertrieben und nach einem gerüttelt Maß an Unfähigkeit; es kann schon sein, dass andere die Unkenntnis öffentlicher Verkehrsmittel und deren Transportbedingungen (insbesondere für Fahrräder) schneller als wir in Wissen umwandeln und rascher zu einer Entscheidung kommen. Wir haben für derlei logistische Problemlösungen immer recht lange gebraucht; in Idaho Falls jedenfalls so lange, dass es keinen Sinn mehr gemacht hätte, gestern noch ein paar zerquetschte Kilometer westwärts zu fahren. Wir hatten entschieden, von hier bis zum Ozean, also bis Florence zu radeln und erst dort eine Busetappe einzulegen. Diese würde dann in Eugene, Oregon, beginnen, wohin wir von Florence wieder rund 100 km zurück, landeinwärts, radeln müssten, weil es nur dort eine Greyhound-Station gibt. Für diese rund 1.400 km würden wir etwa 15 bis 17 Tage brauchen und dann noch ausreichend Zeit für mögliche Rad-Bus-Kombinationen für die Route nach Süden an der Küste haben. Also: desperate bicycles go west durch „famous potatoe Idaho“, durch seine nuklearverseuchte Wüste, durch die Steppe!

von Idaho Falls über die Snake River Plain nach Arco
19.August

Noch bevor wir wieder zu radeln beginnen, bestimmen das Abschätzen der Trinkwasserchancen und das Kartenstudium mit der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten die Debatte in Idaho Falls. Der Weg durch Idaho muss in sinnvolle Etappen – also nicht zu kurze und nicht zu lange – unterteilt werden. Dass es mit dem heißen Wetter und der Sonne so weitergehen würde wie bisher, ist kein Diskussionsthema. Das hat sich in unseren Köpfen mittlerweile als Konstante eingenistet. Die Hauptverkehrsstrecke, die nahe dem Snake River über Pocatello und Twin Falls verläuft, wird ohne langes Herumreden rasch verworfen: Die Aussicht auf eine Woche Stress mit Farmer-trucks und pick-ups auf kaum markierten Straßen neben der für uns verbotenen Interstate überwiegt gegenüber dem vermuteten Vorteil der größeren Siedlungs- und Beherbergungsdichte. Die Route entlang dem Fuß der Rocky Mountains stellen wir uns auch viel attraktiver als die durch das südliche Farmland im Snake River Valley.

Das Wetter hält sich an unsere Erwartungen. Im Family Restaurant neben dem Motel sagt uns ein Farmer, dass es zwischen hier und Arco nichts, nur Wüste gäbe – „that’s desert land, nobody will ever do any farming there, they’re having nuclear tests and they don’t want to have anybody there.“. Atomic City liegt ja fast am Weg, informiert die Landkarte – da wird es doch wohl irgendetwas zu essen und zu trinken geben – außer strahlendem Kühlwasser?

Beiderseits der Route 20 begleiten noch ein Stück weit die üblichen Einfamilien- und Kleingewerbehäuser unseren Weg aus der Stadt hinaus – inklusive meiner besten Feinde, den nicht angeketteten Kötern. Hunde – gleichgültig, welche Rasse, Größe, Art –  haben ein mir nicht erklärbares Gespür für sich annähernde Radfahrer. Schon lange bevor sie einen sehen können, werden diese Köter zu völlig ungezügelten Bestien, die jegliche hundepädagogische Maßnahme, falls sie einer solchen überhaupt je unterzogen worden sein sollten, restlos vergessen. Ich bin sicher, dass diese geifernden, kläffenden, stets nach Radlerfüßen schnappenden Ungetüme, nachdem wir ihnen entweder gerade entkommen oder sie mit eigenen grimmigen Drohgebärden auf ihr rasengemähtes Territorium zurückdrängen konnten (unter Mithilfe von vielleicht auftauchenden Frauchen und Herrchen), dem nächsten, ein paar Minuten später hier vorbeikommenden Radler auf die gleiche Weise das Leben erschweren; und dem übernächsten ebenso. Die Ausfahrten durch diese Stadtrandgebiete – nicht nur aber auch hier in Idaho Falls – erzwingen deshalb immer fast alle Aufmerksamkeit auf die vorausschauende Sichtung irgendwelcher Hunde bei den Häusern links und rechts der Straße. Stehenbleiben kommt nur in den seltensten Fällen in Frage.

Trotz dieser Fokussierung rücken bisher noch nirgendwo gesichtete niedrige, mit Erdreich oder Wiese auf dem Giebeldach gedeckte Gebäude ins Blickfeld. Im ersten Moment erinnern sie an niederösterreichische Weinkeller, die auch entlang der Lösskanten (Wagram) mit ihrem Vorderteil oberirdisch herausragen. Es wird sehr bald klar, dass es sich hier um die Lager für die „Idaho famous potatoes“ handeln muss.

Bald hört die kleinteilige Verhüttelung beiderseits der Straße auf, großräumiges amerikanisches Farmland schließt an, wird nur durch das schnurgerade Asphaltband durchschnitten. Büsche oder Baumgruppen, wie sie noch in Ontario oder North-West Illinois zu sehen waren, gibt es nur mehr selten entlang von Creeks, die nicht einmal mehr als Rinnsale wahrnehmbar sind. Wahrscheinlich war hier früher nie Prairie und auch nie Wald, sondern nur Steppe, der durch die künstliche Bewässerung die riesigen Äcker auferlegt werden. Ich weiß es nicht.

Staub beginnt in den Augen zu scheuern. Überholende Lastzüge – oft mit zwei Anhängern –, voll beladen mit Strohballen, verlieren auf ihrer Fahrt lose Streu, hinterlassen eine fahrbahnbreite Spur von Halmen und Dreschresten, die im Wind aufgewirbelt werden. Weit vorne werden noch dichtere Staubwolken sichtbar, die wie aufsteigende Nebelschwaden aussehen: Getreideernte, wie sich bald herausstellt, natürlich auch in amerikanisch-großem Maßstab.

Ich erinnere mich an den Mann im Bus durch South Dakota, der ein bisschen von seiner Arbeitstour als Erntemaschinenfahrer erzählte. Der kam aus Südafrika hierher nach Nordamerika, um ein paar Monate lang als Wanderarbeiter auf diesen lärmenden, staubenden Ungetümen seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Das Ende des Farmland kam abrupt; links und rechts der Straße plötzlich nur noch Kargheit, Spröde, Dürre, abweisendes Gestrüpp; weit und breit keine Behausung – weder für Mensch noch für Tier. Irgendwann tauchen in der flimmernden Ferne wieder solche Buttes auf, als hätten ein paar Riesen in dieser Wüste allen Sand zusammengekratzt und aufgehäuft. Hier, in der unendlichen Flachheit wirken sie noch künstlicher, noch mehr wie von Übermenschenhand geschaffen als etwa der Crowheart Butte im Wind River Valley auf dem Weg nach Dubois, Wyoming.

Der Verkehr wird weniger; neben der weißen Fahrspurmarkierung ist die „shoulder“ schon längst kein Pannenstreifen mehr, ist zu einem brüchigen, zerbröckelnden, grobkörnigen Bankett zusammengeschrumpft. Die Buttes sind lange, sehr lange die einzigen Fixpunkte, an denen das eigene Weiterkommen messbar wäre – Messungen, von denen ich mich aber lieber ablenke, weil die Messergebnisse so winzig ausfallen. „Radfahren ist Meditieren“ – das Motto ist jetzt hilfreicher denn je. Plötzliche, weil durch nichts Sichtbares vorher erkennbare Windböen reißen aber immer wieder aus dem selbstbeschaulichen, meditativen Kurbeln heraus. Sie zerstören dieses Sich-Versenken in monotones, mit der Atmung synchronisiertes Treten, das für das Durchfahren dieser stumpfen, heißen, trockenen Wüste die für mich beste mentale Technik ist. Kein Baum, kein Fähnchen, kein Sandwirbel, kein Nebelfetzen – nichts ist da, das vor einem giftigen Windstoß warnt. Der Gegner ist vollkommen unsichtbar, schlägt auf dich und verlässt dich ebenso blitzartig. Meditieren in Alarmbereitschaft – eine seltsame Kombination.

Hanna bleibt immer weiter zurück. Ich bemerke den Abstand erst, als er schon ziemlich groß geworden ist. Sie verliert Luft im Reifen. Patschenflicken gehört zu den Reparaturen, die mich nicht aufregen. Unangenehm ist nur, dass man keinen sicheren Platz am Straßenrand hat; Schatten wäre auch recht angenehm, und Wasser, aber es gibt weder das eine noch das andere, jedenfalls fast nichts mehr. Kühl war es sowieso nur etwa eine Viertelstunde lang nach dem Einfüllen in die Wasserflaschen.

Irgendwann, denke ich, müsste doch Atomic City sichtbar werden. Aber die suchenden Blicke in Richtung der Buttes, wo die andere Straße aus Blackfoot mit unserer Route zusammenkommen soll, bleiben ohne das gewünschte Resultat: Keine Autos im Süden zu sehen, auch keine Gebäude, die auf unsere Annäherung an Atomic City schließen lassen. Irgendwann schimmern dann rechts vorne ein paar weiße Kästchen in der dürren Ebene, in dem gleißenden Licht sind sie schwer zu interpretieren. Große Schilder am Straßenrand mit mir unverständlichen Buchstaben-Zahlenkombinationen deuten an, dass bald irgendwelche Abzweigungen und Zufahrten erreicht werden.

Wenn das die Einfahrt zu dem „Idaho National Laboratory“, zu dieser nuklearen Sperrzone ist, dann gibt es dort auch einen Wachposten. Und der muss Wasser zum Trinken haben. Die Überlegung war richtig. Der Soldat beim Absperrschranken ist anfangs etwas unsicher über unseren Auftritt und redet von einer „recreation area“ ein paar Meilen von hier. Wir glauben ihm zwar die Existenz dieses Rastplatzes, aber nicht die Entfernungsangabe. Er bietet uns dann doch Wasser aus dem Behälter in seiner kleinen Wachpostenhütte. Das ist zwar auch bacherlwarm, aber es ist Wasser und befreit uns von der Angst zu verdursten.

Wieder zurück auf der Route 20 ist der Reifen von Hannas Rad schon wieder fast luftleer. Irgendwie machen mich diese Wüste und die Hitze und der zweite Patschen erst recht gelassen und zugleich ein bisschen trotzig – also ein durchaus nützlicher Energieschub. Dass nun auch Berge, die Ausläufer der Lost River Range, sichtbar werden, verhilft endlich wieder zur Erfahrung, dass man irgendwie weiterkommt. Atomic City haben wir verpasst, nichts davon gesehen; aber die „Lost River Recreation Area“ wird erreicht, ist uns wie eine himmlische Oase: kaltes Wasser, ein schattiger Sitzplatz im großen Vorraum zu den Toiletten, Ausblick auf den Parkplatz und den Historical Marker, der über das Phänomen des Lost River  informiert. Wir essen einen grünen Paprika, Brot mit warmem Frischkäse, eine Orange ist auch noch da. Ein bissl taxieren wir die verschiedenen Leute, die aus ihren Autos steigen und sich an uns vorbei bewegen zu den Toiletten: Grüßende und Nicht Grüßende, erstaunt Blickende und fast verschreckt Wegschauende.

In Arco nimmt uns das Motelam Ortseingang nicht auf; die Inhaberin sagt uns, dass auch die anderen Unterkünfte in der Stadt ausgebucht seien, wegen des „Annual Family-Meeting“ an diesem Wochenende in Arco. Da kämen sie alle aus der ganzen Umgebung hier zusammen, die Verwandten, die Enkel, die Großeltern und und und … aber am KOA-Campground werden wir akzeptiert. Die Managerin bietet uns nicht nur ein paar selbstgemachte Kekse sondern sogar ihren RV an (zu einem mächtig hohen Nächtigungspreis) – wir bleiben aber beim Zelt, nicht nur des Preises wegen. Das kühle Bier vom Tankstellen-Laden schmeckt heute besonders gut. Es war unsere bisher längste Tagesetappe..

von Arco durch die Craters of the Moon nach Carey
20. August
Breakfast till 11.34 – in der Gastwirtschaft mit dem großen Schild „EAT“ am Dach hängt diese Ankündigung im Speisensaal an der Wand. Zuerst brachte sie mich zum Lachen. Es war aber kein Scherz. Die junge Kellnerin klärte mich unmissverständlich darüber auf. Wir waren um 13 Minuten zu spät dran. Wir wechelns ins lunch-menu hinüber: Unter einer undefinierbaren grau-weißen Einbrennsoße versteckten sich ein paar dünne Scheiben vom turkey, die über einen Kartoffelbrei gelegt waren, der bis zum Rand des weißen Tellers ausgeronnen war – today’s special. „Kaffee“ extra, Frühstückszeit war ja schon vorbei. Unsere Erwartungen an die Küchen entlang unserer bisherigen Transamerika-Route waren schon so tief gesunken, dass nur mehr Unterbietungen erinnerungs- und erwähnenswert werden. Pickle’s Place in Arco hat das geschafft.

Da auch über die heutige Etappe sowohl die Länge als auch die Verpflegungsmöglichkeiten betreffend nur wenig und unsichere Information vorab einholbar war, lernen wir auf der Suche nach einem Supermarkt das Städtchen Arco im Zick-Zack-Kurs ein bisschen kennen. Die Grundeinrichtungen  – Post Office, Banken, Townhall, Tankstelle, Autowerkstatt, Drugstore, Supermarkt, Kirchen – scheinen in Arco noch alle intakt zu sein; ein paar kleine, alte Motels haben offenbar ihre Herbergsdienste eingestellt. Am Ortsausgang kommt man noch an einem gar nicht so kleinen Flugfeld vorbei. Am meisten fällt aber auf, dass hier Menschen auf den Straßen unterwegs sind, sogar zu Fuß! Arco überrascht.

Dann sind da noch die vielen rätselhaften, mit weißer Farbe auf die Felsen gepinselten großen Zahlen –Jahresangaben der High School Klassen, wie wir erfahren – an dem Berg, an dessen südlichem Fuß das Städtchen liegt.

Bald nach dem Verlassen des Ortes frage ich mich, was denn die Ursache für die relative Lebendigkeit von Arco sein könnte. Farming und cattle-breeding kann’s wohl nicht mehr sein,  denn die Zeugen aufgegebener Landwirtschaften sind schon wieder zu sehen. Und auch die verschwinden bald aus dem Blickfeld. Steppe und weite, tiefbraun-schwarze Steinfelder lösen die wenigen Ackerflächen zur Gänze ab.

An der Kuppe eines kurzen Anstiegs der Straße wird endlich – die Sehnsucht nach frischem Wasser war schon recht groß geworden – der Wegweiser zu den Craters of the Moon sichtbar. Reichlich Autoparkplätze scheinen auf regen Besuch des Natural Monuments zu deuten. Die unzähligen Fahrtrichtungspfeile und sogar Einbahnschilder auf dieser Parkplatzein- und Ausfahrt bringen mich zum Kopfschütteln: Das Regulierungsbedürfnis von Verkehrsbürokraten mitten im Nirwana des großen freedom-country’s hat schon etwas Absurdes an sich.

Grau-blau-schwarze, ziemlich bodennahe Regenwolken drängen über die weichen, runden Bergrücken oberhalb des Visitors‘ Center, machen uns Sorgen. Ein Ranger, den wir fragen, gibt uns aber eine beruhigende Antwort. Von ihm erfahren wir auch, dass man in Carey im City Park sicher auch zelten könne – am campground hier in den Craters zu bleiben, macht für uns die Tagesetappe doch zu kurz.

In den Schatten unter dem kleinen Pavillon-Zelt vor dem Center-Eingang hat eine uniformierte Beschäftigte des Centers ein große Kiste mit diversen Lavasteinen, einer Wasserschüssel, Bindfaden und allerlei Bildertafeln geschoben und scheint nun auf jemanden zu warten. Dass wir uns auch – zwecks Energiezufuhr (Bananen) – in den Schatten setzen, da hat sie gar nichts dagegen – sie freut sich sogar, weil wir unvermutet zur einzigen, noch dazu ganz besonders interessierten Zuhörerschaft für einen kindergerechten Anschauungsunterricht über die Entstehung dieser Lavalandschaft werden.

Unser anschließender Spaziergang hinüber zum Aussichtsplatz geschieht also mit gut geschulten, wissenden Augen. Die Ausstattung mit so einem „Kennerblick“ hat mich aber nicht daran gehindert, mich mit einem Amerikaner anzulegen, der die ganze Zeit den Motor seines Motorhomes am Aussichtsplatz laufen lässt. (Motorhomes waren auf unserer Tour zu den Hauptgegnern auf der Straße geworden, weil sie beim Überholen keinen Zentimeter von ihrer Fahrspur abwichen.) Der wollte, weil ich seiner Lady, die den „Dunstschleier“ über der Landschaft beklagte, daran eine Mitverantwortlichkeit wegen ihrer CO2-Gedankenlosigkeit vorwarf, gleich seine Hunde auf mich loslassen, die anscheinend in dem riesigen Wohnwagen im Hundezimmer eingeschlossen waren. Was für eine Frechheit, ja Dreistigkeit es doch von mir sei zu verlangen, dass diese Tiere im unklimatisierten Wagen bleiben sollten. Da war nichts mehr zu reden; ich beruhigte mich mit der Erinnerung an Asterix: Die spinnen, die Römer. Nicht nur die.

Der Ranger hatte Recht behalten, die Regenwolken – nur ein paar Tropfen waren herausgefallen und vom Wind herübergeweht worden – zogen nordwärts über die Berge weiter; wir hingegen südwärts am Fuß der Pioneer Mountains entlang, durch die Ebene der Lavafelder.

Ganz unvermittelt war rechter Hand etwas Grünes zu sehen. Eine Ausweichstelle mit einem Historical Marker machte das Stehenbleiben leicht. Erst bei näherem Hinschauen entpuppte sich das Grün als schwimmendes Pflanzengeflecht auf einer kaum erkennbaren, weil völlig zugedeckten Wasserfläche. Im Hintergrund, am Bergfuß waren sogar Ackerbauflächen auszumachen. Das passte dann doch wieder zusammen: der Lava Lake mit der schwimmenden Pflanzendecke ist das Wasserreservoir – d.h. die hier zutage tretende Grundwasseroberfläche – für die Farm.

Rundherum sonst nur diese feindselige scharfkantige, krustige, erstarrte Magma und im Rücken die nackten Berge. Was müssen das für Menschen sein, die sich hier niederlassen, die sich hier eine Lebensgrundlage aufbauen? Und wie unvorstellbar schwierig muss es damals vor etwa 160 Jahren gewesen sein?

Der Historical Marker hier an dieser Stelle von Goodale’s Cutoff erklärt zwar nicht, warum sich hier jemand niedergelassen hat, aber er macht auf die Anstrengungen und Risiken aufmerksam, die auf der weglosen Querung dieses Lavafeldes von den wagon-trains zu bewältigen waren.:

When emigrants began to take their westbound wagons along an old Indian and trapper’s trail past this lava, they had to develop a wild and winding road. At this spot, like many others, they had hardly enough space to get by. At times, they could not avoid lava stretches. But they slowly crept along, leaving their road strewn with parts of broken wagons. J.C. Merrill noted in 1864 that “at one place we were obliged to drive over a huge rock just a little wider than the wagon. Had we gone a foot to the right or to the left, the wagon would have rolled over.

Carey konnte nicht mehr weit sein – aber diese sich im Unendlichen verlierenden Ebenen hatten schon oft zu Fehleinschätzungen geführt. Wir hatten keine Eile, auch keine Wettersorgen – das Nicht-Wissen über die Nächtigungsmöglichkeiten bekümmerte auch nicht sonderlich. Der in der Ferne, wo wir hinradelten, aufsteigende Rauch machte jedoch ein bisschen nervös: Wenn dieses Feuer in Carey ist?

Zurückschauen war sowieso viel beruhigender, betörender: auf die weichen Bergkonturen, die langen Schatten der Abendsonne, die diese Sandhäufen ähnelnden Buttes immer wieder in faszinierendes, Licht setzen, als wären sie gar nicht wirklich auf diesem spiegelebenen Tablett.

Das Feuer war nicht in Carey; der Rauch kam von noch weiter südlich her, hinter dem Berg, an dessen Fuß Carey liegt. Gleich bei der Ortseinfahrt fällt rechts grüner, eingezäunter Rasen auf – der City Park, ohne künstliche Bewässerung, also sprinklern, ist das Grün nicht denkbar. Unmittelbar neben der Grünanlage – es konnte gar nicht praktischer sein ein kleines family-Restaurant, eigentlich mehr eine Imbissstube mit einer überdachten, schattigen Terrasse mit Blick auf die Main Street. Das Bier war im shop bei der Tankstelle zu bekommen. Nach dem Pepsi-refill schmeckte es besser zum Fisch. Die Plauderei mit den beiden alten Männern am Tisch vis a vis war auch unterhaltsam – über die Freuden des Fischens im Lake, ein paar Meilen von hier, über die Army-Zeit in Deutschland und dass das campen nebenan im City Park „of course no problem“ sei.

Dieses Mal gab’s nur eine kurze Beregnung in der Nacht, keinen Wasserdruck von unten.

Mehr Bilder im Album!

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