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von Chicago zum Mississippi (2)

Samstag, 22. Oktober 2011

von Rockford nach Lena, Illinois,  und zurück nach
Wisconsin: Darlington und Spring Green

26., 27. und 28 Juli

Auch auf diesem Teil hatten wir bike-trails, vor allem den Pecatonica Trail, vorgesehen. Sie stellten sich aber als unbefahrbar für unsere schwer bepackten Räder heraus.

Motels dieser niedrigen Preiskategorie, wie z.B. das Travlur Motel an der Westausfahrt von Rockford, werden auffallend häufig als indische Familienbetriebe geführt. Sind größere Baustellen in der Nähe, dann sind diese Motels – teilweise mit kleinen „kitchenettes“ – als Arbeiterunterkünfte dauerhaft vermietet. Dann stehen sie für Durchreisende oft gar nicht mehr zur Verfügung. Zum Glück war das hier nicht zur Gänze der Fall gewesen.
Die Bude war kalt, ziemlich düster – draußen schien schon wärmende Morgensonne. Nach ein paar skype-Telefonaten und dem üblichen Informationensammeln über die Verpflegungs- und Nächtigungsmöglichkeiten für den heutigen Tag gab es keinen Grund, noch länger zu verweilen.


In dem fast idyllischen County-Hauptstädtchen Winnebago erspäht uns ein kleiner Bub, als wir an der Straßenkreuzung abwägen, ob wir, unserem Bedarf nach eggs (scrambled, over easy, boiled?), bacon (or ham?) , and potatoes (french fried, american fried, hashbrowns?) nachgebend, den Hügel die Main Street hinunter fahren sollen oder nicht; „Yes, there is Kathy’s Kitchen, not very far from here, down the street“, hilft er uns. Er bietet sogar an, uns mit seinem Fahrrad dorthin zu begleiten. Leider gestattet ihm das aber seine Mami nicht, die er telefonisch um Erlaubnis angefragt hat. Traurig bleibt er bei seinem Schwesterchen zurück. Kathy’s Kitchen war genau, was wir zum späten Frühstück gebraucht haben.

Tendenziell Richtung Mississippi kurbeln wir weiter auf dem erbarmungslos über seichte Täler und sanftwellige Hügel geklappten, rechtwinkeligen Straßenraster, dem  bis auf die engsten Maschen herunterkopierten, globalen Netz der Längen- und Breitenkreise.

Die kleinen, alten landwirtschaftlichen Gehöfte werden seltener, die großen Farmfabriken nehmen zu. Mit ihren metallenen Silos und Transportrohren glitzern sie wie Zombie-Insekten in der einfältig kultivierten Landschaft. Hier lädt kein Bauernhof mehr mit einem Hausbankerl auf eine erholsame Jause im Schatten ein. In Lena schaffen wir im Supermarkt noch rechtzeitig den Einkauf für’s Abendessen und das nächste Frühstück – dann schnell weiter, bevor es wieder dunkel wird, zum etwas abseits unserer Route gelegenen Campingplatz im State Park „Lake Le-Aqua-Na“. Blitz, Donner und Regen verwandeln die Nacht in ein einschüchterndes Schauspiel. Die Waschbären (raccoons) finden unseren hoch am Baum aufgehängten Lebensmittelsack und haben unseren Frühstückseinkauf gewiss sehr genossen. Für den Rest des transamerica-tripp haben sie sich damit unseren ewigen Bannfluch zugezogen.


Nach etwa 25 km am „stagecoach trail“, knapp vor der Staatsgrenze, in Warren/Illinois, findet sich endlich ein Ersatz für das gestohlene Frühstück, im Café „Good Times“. Mit dem Café-eigenen laptop gelingt auch die internettige Orientierungsrecherche für die Strecke zum Wisconsin River.


Weil in der südwestlichsten Ecke von Wisconsin das Mississippi-Ufer keine durchgehende Straße und auch keine Radroute hat und weil Frank Lloyd Wrights Hauptwirkungsstätte doch ein „must“ ist, geht’s in Wisconsin vorerst mal nordwärts weiter. Wir klinken uns wieder in das alphabetische county-Straßennetz ein. (Dieses System hatte ich schon in Milwaukee nicht durchschaut.) Die Entscheidung, an diesem Tag nicht über Darlington hinaus weiter zu radeln, wird uns vom urplötzlich losbrechenden Gewitter unmittelbar vor dem Motel wörtlich „blitzartig“ abgenommen.
Am nächsten Morgen machen wir einen Fehler, den wir zukünftig nicht wiederholen sollten: Auf der Suche nach dem Einstieg in den bike-trail – irgendwo in der Gegend sollte dieser Pecatonica-trail wieder auftauchen – beginnt es zu regnen und wir kehren in unser Frühstücksrestaurant in Darlington downtown zurück; eine typische Anfängeraktion: Wir hatten noch nie im Regen zu fahren begonnen. (Erinnerungen an die Irland-Tour mit Raimund werden wach: Wir zwei hatten drei Stunden auf das Ende des Regens gewartet – es wurde letztlich doch eine mehrstündige Regenfahrt zum Shannon Airport.) Die verhockte Wartezeit fehlte uns am Ende des Tages beim Lebensmitteleinkauf.
Die Schotterpiste am Fluss war dann doch nicht einladend. Die Wisconsin State 23 sollte uns nordwärts bis nach Spring Green bringen, über unzählige Hügel und Buckel, Gräben und Mulden. In einer solchen, mit steil ansteigender „Highstreet“, liegt Mineral Point , ein Städtchen, als wäre es aus Südengland importiert. Im Atomic Ice Cafe war fueling-up angesagt.


Leider rächte sich nun die in Darlington verhockte Wartezeit – ein längeres Verweilen in Mineral Point würde nun sehr unliebsame Folgen am Ende des Tages haben, wenn wir uns nicht bald auf den Weg machen würden. Also radeln wir ohne längere Pause die Auffahrt zur route 23 hinauf, die plötzlich ihren Status geändert hat und nun ein freeway samt „no bicycles allowed“ geworden ist. Ein freundlicher Autofahrer, den wir fragen, gibt uns den Tipp, trotzdem die paar Meilen bis zur nächsten Ausfahrt zu fahren, dort würde die Radroute nämlich wieder herankommen und wir könnten den für Cyclists verbotenen Pfad problemlos verlassen.
Auch das mehrfach in der Gegend beworbene „House on the Rock“  müssen wir auslassen und den weit auskragenden „infinity room“ nur von ganz weit weg, von einem Rastplatz an der Route 23 erspähen. Ich glaube, da haben wir nicht viel versäumt.
In der allmählich untergehenden Sonne gab es schlussendlich eine rauschende Abfahrt hinunter in das Tal des Wisconsin River, vorbei an den Architekturheiligtümern der Frank Lloyd Wright Preservation in Taliesin.

Spring Green sightseeing musste in Anbetracht der einbrechenden Dunkelheit und der Lust auf Coors Light bzw. Pabst Blue Ribbon aus den Kühlregalen des Tankstellenshops plus den unvermeidlich süßen, schwammigen Weckerln, die mit grünem Paprika und Frischkäseaufstrich kombiniert wurden, entfallen. Die im Motel gesichtete Laundry bot darüber hinaus die Aussicht auf frisch gewaschenes Radgewand.

Mehr Fotos zum Abschnitt „von Chicago zum Mississippi“ gibt’s im Album.

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