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Chicago sightseeing

Donnerstag, 01. September 2011

21. und 22. Juli 2011

Das Lesen von Landschaften in der letzten Zeit fiel mir leichter als meine Lieblingsbeschäftigung, das Stadtwahrnehmen. Nach Wochen des Bildermalens und Blickegenießens durch ländliches Amerika spüre ich, wie mir die Vorstellung, mich auf Chicago einzulassen, Respekt, ja sogar einen Schauder einflößt, der mich fast lähmt. Die Ahnung, dass hinter jedem Haus, jedem Straßenzug, jedem Plätzchen und jeder Baulücke wissenswerte und zum Verstehen nötige Geschichten und Geschichte stecken, die ich sonst begierig aufsaugen möchte, verschreckt mich jetzt angesichts der Größe dieser Agglomeration und der Geballtheit der menschlichen Kräfte, die an diesem Ort gegen-, neben- und miteinander um Platz ringen. Die dazu nötige Zeit fehlt. Der Stadtforscher in mir muss sich bescheiden. Ich fange also gar nicht damit an, beschließe, Erschautes und Gesehenes in mir wirken zu lassen. Nur ab und zu ein kommentierendes Murmeln, reflexartiges Anmerken. Chicago sightseeing, eben. Nicht mit dem Fahrrad, sondern mit der Stadt- bzw. U-Bahn, dem Boot und zu Fuß.

Chicago sightseeing – boat trip

Die Architectural Organisation schien mir der beste Anbieter von Bootsfahrten auf den Wasserstraßen in downtown Chicago zu sein. Zwischen und unter zahlreichen Hebebrücken, also auf noch tieferem als Straßenniveau, führt die Fahrt durch die Hochhausschluchten und auch hinaus bis zum Lake Michigan.

Was für ein Wettstreit der Eitelkeiten! Das Gedränge der hohen und immer noch höheren Häuser, Klötzchen, Türmchen und Helmchen auf dem engen Raum führt die individuellen Begehrlichkeiten und egozentrischen Darstellungsanstrengungen ad absurdum: Die Überwältigung des Betrachters wird nicht mehr vom manifesten Größenwahn des einzelnen Unternehmers, Investorkonsortiums, Medientycoons,  Bankenkonzerns oder Spekulationsfonds hervorgerufen – das ganz und gar nicht so beabsichtigte,  dem Wettbewerb und dem Übertrumpfungsbestreben der vielen einzelnen geschuldete hochgezogene Ensemble prägt die bildliche Erinnerung ein.

Mehr Repräsentatio unternehmerischer Großmannssucht und Selbstbespiegelung der diese bedienenden Architektenzunft im Album Chicago sightseeing.

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