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Michigan (2)

Sonntag, 21. August 2011

von Port Huron, Michigan, nach Lapeer, MI
14. Juli 2011

Starker Auto- und LKW-Verkehr und ein miserabler Fahrstreifen rechts neben dem weißen Strich, der die sogenannte „shoulder“ (zur Radfahrnutzung empfohlen) von der „lane“ (eigentlich die Fahrbahn für alle, aber es gilt de facto das Recht der Stärkeren, also der Motorisierten) trennt, schienen schon nach wenigen Kurbelminuten die Aussicht auf einen schönen Radtag zu vernichten. Ein kleines grünes Schild „BIKE-ROUTE“ am Straßenrand markierte die Kreuzung einer Strecke, die nach Nordwesten wegführte, und Hoffnung auf ein Stückchen stressfreies Kurbeln machte. Die roadmap zeigte einen schrägen Strich, der einige Ost-West-Straßen kreuzte. Für ein Stück geruhsames Radeln wollen wir einen kleinen Umweg gerne in Kauf nehmen. So war’s also spontan geplant.

Die alte, zum Radweg adaptierte Bahntrasse brachte zwar die gewünschte Erholung, doch die geplante, westwärts führende Querstraße war ein Reifenprofil fressender Schotterweg. Abgelehnt, weil auch zu energieaufwändig. Also musste noch ein Plan, ein neuer Plan gemacht werden. Testfall für reine Internetroutensuche ohne von zuhause gewohntes Kartenmaterial. Die wenigen, hier mitten im agrarischen nowhereland auftauchenden menschlichen Wesen waren keine Hilfe. Sie kannten sich überhaupt nicht aus.

Wir entschieden uns für den großen Umweg – das Geheimnis des Hakens nach Norden auf der Karte ist somit gelöst.

Die geradelte Bahntrasse endet auf einer asphaltierten county-road – fernnab vom lärmenden, aggressiven Treiben auf der Hauptstraße. Eine Kirche, ein halb verfallenes Restaurant, ein paar röstige Wracks von Kleinlastwagen, PKW und landwirtschaftlichen Geräten und – ein ELEVATOR.

Erst der Besuch des liebevoll betreuten „Kempf Historical Centre“ und die ausführlichen Gespräche mit den zwei Museumsbetreuern bringen die Erklärung für den Namen dieses Gebäudes. Hier wurde – früher, vor der intensiven Konzentration der Agrarproduktion auf wenige Großfarmer – die Ernte der Bauern in den Silo, bzw. ein Zwischenlager hinaufgehoben (= elevation), von dort auf die Fahrzeuge des Großhändlers geladen, der das Agrarprodukt – Getreide, Kartoffeln etc – abtransportierte zur weiteren Verarbeitung. Heute hat jeder der wenigen Großbauern seinen eigenen „elevator“ und Silos an der Staße stehen, die ein Vielfaches des Volumens aufnehmen – der Abtransport des Erntegutes erfolgt mit riesigen Sattelschleppern.

Das „Kempf Historical Centre“ in Capac ist eine versteckte Rarität. Es ist in einem Bahnhofsgebäude untergebracht, das – zerlegt in zwei Teile – von seinem ursprünglichen Standort mehrere Meilen aus dem Süden hertransportiert wurde, eine kleine Lokomotive ebenfalls. Sie war übrigens verantwortlich dafür, dass wir sofort von der Hauptstraße abbogen. Der Museumsleiter empfing uns mit eisgekühltem, frischem Trinkwasser und stellte uns zwei Frauen vor, die gerade eine Ausstellung von Quilts aus verschiedensten Epochen vorbereiten – in zwei Tagen soll die Eröffnung sein.

Der ganze Stolz der Museumsbetreuer ist die „American Model City“, ein großes, handgemachtes Modell, das die ideale amerikanische Stadt mit all ihren Einrichtungen in einzelnen Blöcken aneinandergereiht zeigt, die mit Eisenbahnen, Autostraßen und Bussen verbunden sind.

Die Modellfahrzeuge werden über ein kompliziertes Riementriebwerk unter der Modellbasisplatte bewegt. Die beiden schon etwas beleibten Herren meinten, dass es – bedingt durch die zunehmende Abwanderung von Leuten aus Capac immer schwieriger werde, noch junge, schlanke Burschen zu finden, die unter den Modelltisch hineinkriechen können, um die alten Lederriemchen nachzuspannen.

Auf dem Weg nach Flint beschäftigen uns noch ganz elementare Ernährungsprobleme. Und das sind die Problemlösung entlang der Route:

von Lapeer nachFlint

15. Juli 2011

Dem Besuch von Flint, Michigan, ist ein eigener Beitrag gewidmet.

von Flint nach St. Johns
16. Juli 2011

Nach Flint geht’s durch Großlandwirtschaft weiter – ein paar alte Scheunen stehen noch als Zeugen einer früher anders strukturierten Bwirtschaftung des Landes.

Die nicht sehr ertragreiche, aber extrem zeitaufwendige Straßenkartensuche bei Barnes & Noble nach dem Besuch der aufgelassenen Autoproduktionsstätten in Flint beschert uns noch reichlich Probleme mit Hunden. Am Ende des Tages werden wir aber – es dämmert schon fast – mit einem Zimmerchen in einem Schmuckstück eines Motels in St. John belohnt.

Mehr Bilder im Album Michigan auf flickr.

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