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Niagara – the Falls, the River, der Wurschtlprater

Freitag, 08. Juli 2011

„You are not allowed to do that“,
begrüßt mich die junge Grenzpolizistin auf der canadischen Seite des Niagaraflusses. „These people on the bridge wait for hours to get across – you also have to wait.“

Das war  genau DER welcome, auf den man sich soooo gefreut hat! Die Menschen in diesen sich selbst stauenden Autos und LKW auf dieser radfahr- und fußgehfeindlichen Brücke hatten sich überhaupt nicht darüber aufgeregt, dass wir versucht haben, uns irgendwie durch den Stau durchzuschlängeln. Im Gegenteil, sie winkten uns vorbei, machten Platz. Nicht so die canadische Polizistin. Sie musste „amtshandeln“. Ihr respektheischendes Gehabe war erfolgreich – ich diskutierte nicht mit ihr, stellte mich ahnungslos und dumm und sogar einsichtig – und kam mit dieser Maskerade schließlich doch noch ohne größere Zeitvergeudung nach Canada. Hanna auch. Die Suche nach dem Hostel war eh noch anstrengend genug ohne Stadtplan, im Dunkeln, ausgerüstet mit einer gekritzelten Skizze im Briefmarkenformat, die uns Scott, ein West-Ost-Radler, den wir unterwegs am Erie Canal getroffen haben, wo er uns das Hostel empfohlen hatte.

Der große G’schichtln-Erzähler Patrick vom Hostel machte ganz eindringlich Werbung, nicht nur die Wasserfälle – „all the people just come for the falls“ – sondern eigentlich den Fluss zu besuchen, am besten bis hinunter nach Niagara at the Lake. Die Fahrt mit der Maid of the Mist empfahl aber doch auch – obwohl das die meisten Leute machen.

Zugegeben, mit den weltberühmten, von allen Touristen besuchten Sehenswürdigkeiten habe ich stets meine Schwierigkeiten. Diese abzuhandeln, ist jedoch nicht der richtige Ort hier.

Also gemma Wasserfälle schauen!

„From the canadian side they are much nicer“ hatte uns der Himbeer-Mann auf der Route 31 in upstate New York noch gesagt „the Americans have ruined their side“. Damit die Americans IHRE Fälle auch von der amerikanischen Seite gebührend bewundern können, wurde am US-Ufer des Flusses eine weit auskragende Platform auf einem monströsen Turm errichtet. Die canadischen „Horseshoe Falls“ liegen „drüben“, die Staatsgrenze verläuft auf der Insel oberhalb der Fälle.

Für die Fahrt auf der „Maid of the Mist“ entschieden wir uns dann auch noch – ist wirklich mächtig beeindruckend. Zu Fuß und mit einem Aufzug bewegt man sich zuerst von der oben liegenden Schluchtkante hinunter zur Talsohle unter den Fällen. Dort erhält man ein blaues Plastik-Cape, das einen vor dem Dauerregen, der aus den fallenden Wasermassen kommt, trocken halten soll. Derart ausgerüstet tuckert man auf dem Boot hinüber zu den amerikanischen, anschließend in den Sprühregen der canadischen Fälle.


Eine Schluchtkantenwanderung flussabwärts ist nicht sehr attraktiv – der Gehstreifen neben der stark befahrenen River Road lädt überhaupt nicht zum genüsslichen Schlendern und schon gar nicht zum Verweilen ein. Es sind auch kaum platzartige Erweiterungen dieses Fußpfades gebaut worden – die Straße verbindet ein paar Bus- und PKW-Parkplätze, von wo man für einen Blick hinunter in die Schlucht oder einen Abstieg natürlich gleich ein paar Dollar ablegen darf.

Mit dem Rad fahren wir bis oberhalb des „whirlpools“. Die versprochenen wilden Rafter unten an den kleinen Niagara-Stromschnellen wurden aber nicht gesichtet. Aber eine Seilbahn über den Fluss, der hier eine rechtwinkelige Biegung macht, die die namensgebenden Wasserwirbel verursacht.

Die kaputte Industriestadt auf der US-amerikanischen Seite wird von Spielcasino-Türmen auf der canadischen Seite kontrastiert. Vielleicht hat die frühere Wiener Vizebürgermeisterin von einer Imageaufwertung dieser Art für den Wiener Wurschtlprater geträumt? Hier nennen es die Einheimischen „Disney-Land“. Die Bezeichnung trifft den Charakter dieser unbeschreiblichen Ramschanhäufung aber auch nicht.

Im canadischen Niagara Falls ist ein städtisches Straßenrevitsalisierungsprogramm etwas ins Stocken geraten. Vielleicht ist es auch gar nicht richtig in Fahrt gekommen. Die heruntergekommene Queen Street sollte mit „creative industries“ und kunstgewerblichen Kleinunternehmen sowie den noch wenigen verbliebenen Läden – unter anderem einem Fahrradgeschäft – in einer konzertierten Finanzierungs-Förderungsaktion zu neuem Leben gebracht werden. Diese Mischung ist wohl zu mono-ökonomisch geblieben. Für die Leute aus der neighbourhood war da nichts dabei – und die Touristen bleiben auch aus, die BoBos aus Niagara Falls offensichtlich auch, falls es sie geben sollte …

Die Brauwirtschaftsmanagerin wa zwar überaufdringlich um unser Wohl bemüht, ihre Küche konnte aber unseren bislang angehäuften, kulinarischen Frust ganz und gar nicht abbauen. Zwei Blöcke weiter hat ein hübsches Cafe seinen ersten Geschäftstag. Alle freuen sich über uns als Gäste – wir auch, free wireless ist sowie Standard. Die junge Kellnerin läuft mir noch auf der Straße nach und bringt mir meine Geldtasche, die ich offenbar neben statt in die Packtasche auf der Kaffeehausbank gesteckt hatte. Unvergesslich!

Zum Lake Erie

niagara-crystal-beach_map

Das Flussufer oberhalb der Fälle – also hinauf zum Lake Erie – ist nur an ganz wenigen Stellen öffentlich zugänglich. Während unterhalb der Fälle, also im Ortsbereich von Niagara Falls an der River Road zahlreiche Stadtvillen in dieser Top-Lage zum Verkauf angeboten sind, gibt es am Oberlauf kaum käufliche Grundstücke.

Kilometerlang reiht sich eine Pseudolandvilla – „Mountain-House“ aus dem Fertighauskatalog, wo weit und breit kein mountain sichtbar ist – mit Naturstein-, Backstein- oder Holzlattungsimitaten an die nächste. Unter zwei Garagen pro baulicher Unarchitektur geht es nie ab. Vor lauter Ärger über diese Scheinwelten vergesse ich das Fotografieren. Das canadische rote Ahornblatt wird auf dieser Flussseite genauso intensiv ausgehängt wie das star sprangled banner auf der amerikanischen.

Fort Erie und Buffalo wird mit der „Peace Bridge“ verbunden. Der ganze Landstrich Niagara gehörte zu den am blutigsten umkämpften Gebieten im Krieg zwischen den americans und den british loyalen canadians.


Mehr Bilder zum Thema „Niagara“ im flickr-Album hier – oder diesen link importieren:

http://www.flickr.com/photos/pemockl12/sets/72157627298850780/

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2 Kommentare leave one →
  1. Vesna Novosel permalink
    Donnerstag, 28. Juli 2011 19:59

    Hallo liebe Nachbar in Amerika-Canada….Bei uns und Ihnen alles in Ordnug….Es ist immer wieder sehr interesant zum lesen und Fotos zum sehen…..Wir wünschen Euch,alles Gute und gutes Weiterradeln! V&Z.

  2. Feigelfeld permalink
    Donnerstag, 28. Juli 2011 10:37

    schön, am Flughafen Venizelos Athen von euren ‚Falls‘ zu lesen (one hour free internet)! irgendwann werde ich zum Austausch Keiteur Falls in Guyana bieten,viel weniger breit, aber, wie alle Einheimischen und Reiseführer beteuern, vieeel größere Fallhöhe als Niagara. Und, als Gegenmodell, no tourists.gute Weiterreise,
    Heidi Fei

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