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am Erie Canal (3)

Dienstag, 05. Juli 2011

von Macedon (lock 30) nach Albion, NY
4. Juli 2011 – Independence Day

zum Independence Day

und weiter am 5. Juli bis Niagara Falls

nach Niagara NY

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Radroute 1088497 – powered by Bikemap

macedon-niagara_map

Der wunderschönste Morgen bis jetzt: Sonnenaufweckung an der Erie-Canal-Schleuse 30 in Macedon

Für uns sind die Höhen, die die Boote in den Schleusen überwinden, nicht einmal spürbar. Flach, auf feinkiesig gewalztem Treppelweg geht’s Richtung Rochester.

Zuvor lädt jedoch ein schattiges Terrassencafé am Canalufer bei der Hebebrücke (drawbridge) in Fairport unwiderstehlich zu einem Spätvormittags-Capucino (was die Amis halt so nennen).

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Blasmusik, Trommelwirbel, Salutschüsse – 4. Juli, Independence Day. Alle sind sie auf den Beinen, alle Klischees, alle Wichtigtuer und Narren, Lokalpolitiker und die Müllabfuhr, die Krankenschwestern und der Ford-Mustang-Club, eine Band und Zuckerln unters am Straßenrand applaudierende Volk werfende Politikerkinder.

Auch Historischen Berufen – z.B. der towpathboys – wird gedacht.

Ich habe große Lust, ein paar „depperte Fragen“ an die umstehenden Leute zu stellen, z.B.

Whose independence is being celebrated here?

Why do the Harley Davidson Boys not show up?

Whose sweeties – the blue ones or the red ones – taste better?

Which side were the Indians on, then?

Ich mach’s dann aber doch nicht – was weiß ich, ob ich jemandes Ehrgefühl und Stolz verletzen würde, und der schmeißt mich dann in den Canal …

Andere Kinder interessieren sich mehr für das soft-ice.

Der Independence Day ist heuer auch ein wunderbarer Ausflugstag – z.B. für einen Boottrip. Das Wetter bescherte vielen ein erholsames verlängertes Wochenende.

Noch andere Bildchen zum Erie Canal (3) im Album!

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Wildwechsel am Erie Canal

Das wäre ein reichlich ergiebiges Thema – leider kann ich es nicht bildlich entsprechend würdigen. Denn zu sehen gibt’s viel viel mehr als diese stets in größeren Gruppen auftretenden Gänse:

Viel zu flink zum Fotografieren waren immer die chip-monks, Eichörnchen ähnliche, aber kleinere, meist rasch in Erdlöcher verschwindende Tierchen mit braun-schwarz gestreiftem Rückenfell. Oft selbstgefährdend neugierig, dann flitzend sie deppert in irgendeine Richtung, wenn sie die Radlerei wahrnehmen.

Aber auch mit Exemplaren der etwas größeren Kleintierart gab es zahlreiche Begegnungen: diverse Hasen, Kaninchen, Bisamratten, Oppossums und andere von mir nicht identifizierbare flinke Nagetierchen. Oft sehr knapp vorm Vorderradl; Ausweichen ist mit meinem Lastrad keine MTB-Übung!

Bären gehören bis dato noch nicht zu den wilden Begegnungen – aber ganze Hirschfamilien, Rehe, Reiher und Cormorane kreuzten den Canal Trail. Auch eine Schlange – vermutlich auf dem Weg vom Canal in den benachbarten Sumpf – und, ganz und gar unerwartet – eine Schildkröte war am Rand des Treppelwegs schwerst beschäftigt mit dem Eierlegen.

Allerlei Vögel begleiten uns auch immer wieder auf kurzen Teilstücken des Weges – leider fressen sie viel zu wenig von jenen Tieren, die – neben den unangeketteten Hunden – zu wahren Hassobjekten geworden sind: Moskitos. Auch die vielen Libellen vernichten zu wenig von dieser Plage.

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Historismus – eine amerikanische Vorliebe?

Albion – der Name ist ja schon fast verpflichtend für ein „remake“ der alten Heimat.

Der ganze rechteckige Platz versammelt die wichtigsten Institutionen – Kirchen, Banken, Kriegerdenkmal, Stadtparlament – in historisierenden Architekturhüllen. Meistens stimmen die Proportionen des gewählten Formenkanons nicht – das Bedürfnis nach „historischer Größe“  kümmert sich nicht sonderlich um maßstäbliche Entsprechung.

Das Coffee House etwas unterhalb des central square, auf der Main Street, war – obzwar in gewisser Weise eine ausstattungsideologische Fortsetzung des Wunsches nach geschichtsträchtiger Bedeutsamkeit – eine erfreuliche Entdeckung. Endlich kein Wegwerfgeschirr und -besteck, kein selbst zu entsorgender Müllhaufen nach einem mühsam aus winzigen Plastikbehältnissen herausgepelltem Frühstücksetwas. Ein handliches Heferl, ein Keramikteller, sogar metallene Löffel. Wenn nun noch die Qualität des Tees und des Kaffees und des Kucherls gestimmt hätte, dann wäre das wahrscheinlich eine gesungene Lobeshymne wert gewesen. Hätte ich glatt gemacht. War aber nicht. Trotzdem ein freudiger Morgen – ein Paar aus Minneapolis hat mit seinem Tandem auch den Weg in das Coffee House gefunden. Wir sind Ende Juli, wenn die beiden aus ihrem Radfahrziel (Boston) zurückgekehrt sein werden, herzlich bei Ihnen willkommen.

Die letzten Stunden am Erie Canal Trail sind sehr beschaulich.

Freizeitmotorboote sind nicht schneller auf der Wasserstraße unterwegs als wir. Mit den Brückenmeistern muss jedes Mal ausgehandelt werden, wann er die Brücke hochhebt, damit das Boot weiterfahren kann. Und solche Brücken (drawbridges) gibt es viele, sehr viele.

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Da der Canal zum Erie-See in Buffalo führt, verlassen wir den Treppelweg nach Lockport und wechseln auf die NY 31 Richtung Niagara Falls.

Gegen den Wind und auch schon etwas gegen die Uhr werden die letzten Kilometer in upstate New York recht anstrengend – die Canal-Idylle wird brutal zermalmt je näher wir dem US-seitigen Niagara Falls kommen. Am Straßenrand stellen zwei alte Leute ein Tischchen auf mit ein paar Himbeeren.

Sie wohnen seit mehr als 50 Jahren an dieser Straße, werden auch den Rest ihres Lebens hier bleiben. So lange er noch autofahren kann. Denn ohne Auto gibt es hier kein Überleben – das ist in allen Orten so, die eigentlich keine Ortschaften in unserem Sinn sind, sondern eine mehr oder weniger lockere Aneinanderreihung von Einfamilienhäusern entlang einer Verbindungsstraße. Irgendwo, in meilenweiter Entfernung ist dann vielleicht ein Markt, wo diese Menschen das Lebensnotwendige kaufen können. Sonst nichts. Soziales Leben?

Er kannte Österreich, die Verwechslung mit Australia unterlief ihnen doch immer wieder.

Die allerorten frisch lackierten Hydranten sind trotz der nationalen Beflaggung kein Mitbringsel österreichischer Siedler. Für uns dennoch ein niedliches land-art-object zum Schmunzeln.

In der Dämmerung kommen wir durch den US-Ort Niagara Falls, Industriebrachen, kaputte Leute, die bislang eher seltenen Autorowdies werden häufiger, drängen Radler aus der Fahrbahn, hupen uns an, weil wir uns wegen der oft fehlenden Wegweiser nicht schnell genug entscheiden können, wo wir weiterfahren sollen. Baustellen und „Road Closed“ erschweren das Finden des Weges zur Rainbow Bridge. Endlich wird mal ein Mensch sichtbar – er mäht den Rasen. Verschreckt ob meiner Frage nach dem Weg stellt er den lauten Motor ab, strahlt dann übers ganze vestaubte Gesicht, zieht seinen Arbeitshandschuh aus und schüttelt mir die rechte Hand, sichtlich glücklich darüber, dass er mir helfen konnte.

Auf dieser Brücke verlassen wir die USA, den Empire State New York – zwängen uns durch die einander stauenden Autos nach Canada.

Mehr Bilder zum Erie Canal (3) im Album!

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3 Kommentare leave one →
  1. Samstag, 23. Juli 2011 22:46

    Hach, wie immer beim Lesen taucht er auf – der Neid. Aber in weniger als 2 Wochen bin ich auch drüben. Bis dahin darfs allerdings noch eine Prüfung und eine Proseminararbeit sein. Juche.

    Beim Lesen eurer (aufgezwungenen) Ernährungsgewohnheiten wird mir allerdings ganz anders. Ich glaub, mein Öko-Herz wird in den USA erhöhtem Infarkt-Risiko ausgesetzt sein. Obwohl, vielleicht ists in NY ja etwas besser. Ich kann nur hoffen.

    Was anderes: Ich hab jetzt eher zufällig entdeckt, dass du die alten Beiträge erneuerst/editierst. Das hat mich zwar gefreut, weils wieder was zu Lesen gab, ist aber „Blog-technisch“ nicht so gscheit, da man normalerweise nicht zu alten Einträgen runterscrollt – mein Vorschlag wäre daher, eher neue Einträge statt Updates zu schreiben, auch wenns vielleicht aus deiner Sicht besser in den alten Eintrag passen würde.

    Have a good one (a uadentliche Moizeit nämlich),
    Georg

    • Sonntag, 24. Juli 2011 05:43

      Danke Keke! Nehme mir den blog-technisch konsumentenorientierten Verbesserungsvorschlag zu Herzen.
      Ernährungstechnisch gibt’s in den großen Städten diese Probleme, wie wir sie über weite Strecken der amerikanischen Agrar-Pampa hatten – und wohl noch haben werden – eh nicht. Also keine Infarktgefahr!
      Mahlzeit.
      P

    • Sonntag, 24. Juli 2011 09:28

      hallo Ihr Beiden;
      es ist für mich schon eine nette Gewohnheit geworden, zum Frühstück Euren Reisebericht zu lesen; bitte NICHT Georgs Vorschlag in die Tat umsetzen; ich mags, runterzucrollen und Eure alten Beiträge nachzulesen!
      Viel Spaß noch, ein Drittel Eures Zeitbudgets habt Ihr ja schon aufgebraucht – bin schon sehr neugierig, wie sich Euer Abenteuer weiterentwickelt..
      liebste Grüße aus dem herbstlichen Wien, Renate

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