Skip to content

am Erie Canal (2)

Montag, 04. Juli 2011

von Fultonville, NY am Canalway Trail nach Mohawk
30.Juni 2011

fultonville-mohawk_map

Das Eintragen der tatsächlichen Route – nämlich am Treppelweg des Erie Canal, der später zur Eisenbahntrasse und nun größtenteils Rad- und Wanderroute ist (dank „rails to trails“) – ist bei google-maps nicht ganz genau möglich. Die Karte zeigt daher nur ungefähr, wo wir geradelt sind.

Fultonville ist ein riesiger truck-travel-stop:

Übernachtungsmöglichkeit, eine Gastwirtschaft, ein riesiger Ramschladen, Serviceeinrichtungen für die großen Sattelschlepper. It’s a man’s world – und viele sind Einzelunternehmer. Der Lastler das Kernstück des Ein-Mann-Betriebes, chromblitzende, kraftstrotzende Identität.

Dieses Macho-Rambo-Gehabe passt auch gut zum Mythos des Freedom-Fighters: „Thanks to our troops!“

Was sich die Amish people wohl dazu denken?

Auf dem Autoparkplatz vorm Food-Market ist ein eigener Gespannplatz eingerichtet.

Nach unserem minimalistischen Einkauf kommen wir – zurück auf dem Canal Trail – an zwei weiteren Pferden und an einer Gruppe junger Amish people vorbei, die ihr Fischfangglück versuchen. Aber sie hatten auch untereinander recht viel Freude -wie in einem alten englischen Madrigal:

Say dainty nymphs and speak,
shall we play barley break?
Fa la la lalala la

Der Erie Canal Trail ist ein ziemlich großes Projekt, das die Zusammenarbeit von zahllosen County-Politikerinnen und Politikern, von privaten Sponsoren, Grundbesitzern und -besitzerinnen und vermutlich einer Unmenge von freiwilligen Helferinnen und Helfern erfordert. Noch ist der Trail ein Stückwerk, verläuft nicht immer entlang dem Canal, wird manchmal auf der New York State bike route 5 geführt. Mit diesen staatlichen Routenverantwortlichen scheint die Koordination, wie auch anderswo in unseren Breiten, gar nicht zu existieren. Wo man den Trail mal verlassen  und auf irgendwelche Straßen ausweichen muss, ist’s oft ein zeitaufwendiges Suchespiel, den Wiedereinstieg zu finden. Sehr informativ sind die vielen Erläuterungstafeln, die in den counties, die der Canal durchquert, stehen.

Entsprechend der Vielfalt der immigrierten Siedler aus dem alten Europa findet man hier aucheine ganze Menge europäischer Ortsnamen. So schippern am Erie Canal in NY auch Schleppkähne durch „Danube“. Manche mit ganz köstlicher Fracht.

Mehr Bildchen zu „am Erie Canal (2)“ hier anklicken.


von Mohawk zum Lake Oneida

1. Juli 2011

mohawk-lake-oneida_map

In Herkimer, ein paar hundert Meter stadtauswärts finden wir das in der county-map eingezeichnete Fahrradgeschäft. In dem kleinen Laden lehnen an einer Wand uralte hölzerne Schi – Kandaharbindung, Riemchenbacken … Erinnerungen an meine ersten… Der Inhaber zeigt ganz angetan von meinem Interesse für seine Schisammlung mir noch alle seine Schmuckstücke; seine Vorfahren kamen auch aus Österreich. Dann gibt er unseren Reifen die fehlende – weil langsam verloren gegangene – Luft, bietet uns noch ganz frisches Wasser an freut sich, fast ein bissl uns beneidend, uns „happy trails“ zu wünschen.

Die bekamen wir aber noch lange nicht, weil der Canal Trail in diesem county ein Opfer eines Gezänks zwischen Sponsoren, Politikern und Grundeigentümern ist. Der Trail führt daher hier noch größtenteils auf der Straße. Das Einfädeln in den Kanal-Treppelweg bei Utica war ein logistischer und radfahrerischer Horrortrip. Endlich am Kanal, die erste Rastmöglichkeit nach dem Kampf durch riesige Straßenkreuzungen, Über- und Unterführungen – und alles de facto ohne Wegweiser.

Die Weiterfahrt war – zumindest ein kurzes Stück – erholsam; ohne Gepäck mit der „Carbonlaus“ (mein MTB) wär’s um einiges leichter gewesen.

Die „Erholungsstrecke“ war nur kurz – das Teilstück auf der meist schlecht geflickten Asphaltstraße umso länger; die Sucherei nach dem Wiederbeginn des Canal Trails kostete wieder einmal unglaublich viel Zeit. „Nicht ärgern!“ und „Alles wird gut“ gehört mittlerweile zu den am häufigsten vewendeten Tröstungssprüchen.

Landwirtschaftliche Betriebe – Wirtschaftsgebäude und die dazugehörigen Wohnhäuser – nehmen oft stattliche Formen an.

Der letzte Teil der Tagesetappe geht dann entlang dem Old Erie Canal, wieder Sandpiste, durch Moskitoparadiese und unglaublich viele Grüntöne.

Der Campingplatz „Verona Beach State Park“ am Lake Oneida wird kurz vor Sonnenunutergang erreicht. Er ist voll ausgebucht.

„If you don’t mind – there is a quiet field just a few yards from here. You may put up your tent, use all the facilities of the park – if you don’t mind.“

No, we don’t mind at all. Ein wirkich netter Ranger.

vom Lake Oneida nach Weedsport und Macedon
2./3. Juli 2011

lake-oneida-macedon_map

Eine ganze Batterie lifeguards macht sich am Morgen für den Dienstantritt bereit. Ein junger Bursch läuft recht aufgeregt zu einem ca. 30jährigen Mann. Kurz darauf durchschneidet eine drohende Lautsprecherstimme die noch recht beschauliche Strandszene: „Get out of the water! The beach will open at 11.“

Kurz bevor wir den streng reglementierten Verona Beach verlassen kurvt ein Paar – etwa 50 bis 60 Jahre alt – auf Radln um den Strandladen; ohne Gepäck. „We did Route 31 last year,  but going east – the winds, you know. …. If you come to Baldwinsville, you’ll see a shop on the right side – DaCa – the best ice-cream on route 31!“ – „Must be your shop“, sag‘ ich. Er zwinkert mit einem Auge, dann das übliche „good trails“ und „have a good one“.

Das Land südlich des Lake Oneida ist leicht wellig, die Straße quert immer wieder kleine Zuflüsse zum See im Norden. Die meisten Farmen sind ziemlich stattlich, die Felder groß; es scheint nur noch wenige „kleinere“ Farmer zu geben.

Kompakte Ortschaften sind sehr selten. Wenn man endlich mal eine auf der Route antrifft, dann scheinen nur noch die Bibelrunden und Jesusankündigungen und vielleicht eine noch nicht ganz verrostete Tankstelle zu bezeugen, dass hier noch Menschen leben.

Manchmal erinnert eine Wandmalerei an längst vergangene Zeiten, in denen der Ort – in diesem Fall Port Byron – in der Region eine zentralisierende Funktion und vor allem für die eigene Bevölkerung identitätsstiftend war. Es ist schwer vorstellbar, dass die heute hier hausenden Leute einem Fremden, Durchfahrenden, Wanderer mit Stolz von „ihrem Ort“ erzählen. Früher, ja damals …

In solchen Orten, deren Nahversorgungsinfrastruktur völlig abgestorben ist, alt zu werden, ist schier unvorstellbar. Mensch kann nicht bis in den eigenen Sarg mit dem Auto fahren. Oder vielleicht doch?

Wir kurbeln uns in der Hitze weiter – weder ein Schanigarten, noch ein Café, noch irgendein Lebensmittelgeschäft werden gesichtet. McDonalds – wer hätte das gedacht? – wird in Amerika zum Lebenskraft erhaltenden Laden!

Coca Cola wird zum wichtigsten doping-Mittel. Der Schnupfen lauert draußen „auf der Terrasse“ und stürzt sich mit großen Grimm auf die Leute, die aus der Eisbox wieder ins Freie gehen. Ptschüüüü!

Nimmer weit ist’s zum Canal Trail. Die Moskito-Paradiese kündigen seine Nähe schon an.

Der Erie Canal macht sich ja zum Teil bestehende Flussläufe und Creeks zunutze und zweigt an manchen natürlichen Katarakten Wasser ab und leitet es in das manchmal höher gelegene Kanalbett. So kommt es vor, dass der Canal als Brücke über ein wasserführendes Flussbett geht. (Das gibt es übrigens auch beim – freilich viel kleineren Wiener Neustädter Kanal, dort wo dieser die Schwechat überquert, wenn ich mich richtig erinnere.)

Durch traumhafte Moskito-Paradiese führt der trail schließlich doch zum heutigen Hauptkanal und damit auch wieder zu den Schleusen.

„There are always people who put up their tents over there“, klärt uns ein älterer Mann auf, als wir den wundervollen Platz beim lock 30 auf der anderen Seite der Schleuse beäugen. Wasser wäre halt fein, wenn’s gäbe.

Der Schleusenwärter auf der anderen Seite scheint zu ahnen, worüber wir uns den Kopf machen – wir schieben die Räder hinüber, und ohne zu fragen, zeigt er uns mitten auf der Wiese den Wasserhahn. Ein Mobilclo gibt es auch. Schnell das Zelt aufgestellt und ab zum ernährungstechnischen US-Basiscamp. Zwei Schüsseln Salat vor uns und eine unvorstellbare Menge Müll für – ja für wen eigentlich?

Mehr Bildchen zu „am Erie Canal (2)“ hier anklicken.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: