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am Erie Canal (1)

Donnerstag, 30. Juni 2011

von Clifton Park to Fultonville
29.Juni 2011

clifton-pk-fultonville_map

Die Old Route 146, dann Route 50 South bis Scotia sollte uns zum Erie Canal Trail führen. Die Freundlichkeit der Auto- und LKW-Fahrer reduziert sich schlagartig auf Straßen ohne „shoulder“, also Straßen ohne Pannenstreifen, den Radfahrende hierzulande benutzen sollen. Die alte Route westwärts ist größtenteils eine solche – also ermahnen Verkehrsschilder zum „share space“ – das bedeutet vor allem kleinere Abstände zwischen Autos und uns – wobei der Fleckerlteppich der zu teilenden Fahrbahn eine ziemlich schlingernde Fahrweise Radlerlastlers erzwingt. Straßenzustände haben mich schon in Boston mancherorts an Sofia und Bulgarien erinnert – die USA als Transformationsgesellschaft? Straßenbau bzw. Straßenzustände sind Indikatoren für staaliche Infrastrukturleistungsfähigkeit. So wie der Staat nicht wir alle sind, sind auch die Straßen hierarchisch: Für das big business sind die total augebauten Interstate Highways wichtig- nicht die alten routes für das kleine lokale, regionale Wirtschaftsleben. Der Zustand der Straßen, auf denen wir uns vorwiegend bewegen, spiegelt die ökonomischen und regional-, staatspolitischen Machtverhältnisse fast eins zu eins wider. Da war dann die Freude riesig, als wir endlich am den bikers, hikers and horseriders vorbehaltenen „multi-purpose“ Erie Canal Trail angelangt sind. Radeln ohne trucks und Autos ist schon eine erholsame Perspektive – auf die lange Distanz jedenfalls.

Dazu gibt es auch bewegte/bewegende Bildchen im Album!

Vorher haben wir noch Francfort „links“ liegen gelassen, aber uns in Amsterdam an der Route 5, der Pannenstreifen ist als New York State bicycle route 5 markiert – wie toll! – versucht, ein bisschen kundig zu machen. Im Chamber of Commerce – no bikes allowed in der mall –

gibt’s ein paar Infos, insbesondere die Botschaft, dass der Tourismus eine County-Competence sei. Die Counties schauen aber nicht über ihren „Tellerrand“ hinaus. Vor dem Eingang erzählt ein Pensionist, dass es früher in Amsterdam 11 textile-mills gegeben hat und Amsterdam an die 30.000 Einwohner hatte. Heute leben hier weniger als die Hälfte. Die Textilindustrie ist seit 60 Jahren tot. Was bleibt sind die verfallenden Backsteinruinen der Fabriken am Flussufer.

„People from South come up here. They don’t work. They live on welfare. On welfare they get more than the minimum wage,“ sagt der Alte, Weltkriegsteilnehmer bei der Dünkirchenlandung.

Die Sozialschmarotzer-Sündenbock-Schwafelei gibt es nicht nur bei uns in Österreich.

Neben der verfallenden Backsteinfabriksruine in einem Backsteinhaus in der Bridge Street das gebaute Glückshormon:

Dieses Café ist ein MUSS. Drinnen gibt es richtige Stühle, Tische und in dem Regal hinter der Theke stehen Kaffeetassen und Untertassen, also richtiges Geschirr. In der Mehlspeisvitrine wunderbare Köstlichkeiten.

Wir loben die gute Frau, die diesen Laden betreibt und sagen ihr, dass es so etwas kaum mehr gibt.

„Look at the floor – it is uneven! This floor has got character!
Look at the ceiling – my husband painted it all over – it has character!
Look at the house – it’s ghot character!
I said, I love this place. I have a dream. And my husband said: If you have this dream let’s make it come true! Now I run this place by myself – my husband helps me, but tonight there is a play on TV …“

Ihr Mann ist italienischer, sie selbst französischer Abstammung. Mit Nougat und Capuccino gestärkt freuen wir uns auf dem rails-to-trails Erie Canal Trail.

Mehr Bilder zum Thema „roulez cool in Upstate New York“ hier.

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2 Kommentare leave one →
  1. Eva Fischer permalink
    Dienstag, 12. Juli 2011 22:05

    Servus Peter, freue mich, dass es bis jetzt so gut klappt.Es ist fast immer sehr interessant, was du so schreibst und vergnüglich zu lesen.Ich hatte schöne Tage in Graz u.a. mit dem Ensemble Cinquecento -2 Countertenöre, 2 Tenöre,1 Bariton und 1 Bass – Musik von Josquin de Pres. Was hörst du in deinem Kopf.?
    Wünsche euch weiterhin gutes Radeln und passendes Wetter. Heute ist in der Nacht ein Film über Bogdan Bogdanovic.
    Alles Liebe
    Eva

  2. Feigelfeld permalink
    Montag, 11. Juli 2011 07:48

    hallo Peter,
    verfolge mit viel Interesse und Amusement deine Reise und deine Kommentare. Wünsche jede Menge weitere Fundstücke wie die ‚Dolce‘!
    Heidi (Fei)

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