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allmählich greift die Atomtheorie*)

Dienstag, 28. Juni 2011

*) nachzulesen bei Flann O’Brien – es geht um die molekulare Verschmelzung von Fahrrad- und Radfahreratomen. Aber das ist eine andere Geschichte.

North Adams,MA to Clifton Park, NY
28.Juni 2011

Heute Massachusetts verlassen, statt die Luftlinie über die nördlichen Ausläufer der Appalachian Mtns bodengebunden zu befahren, fiel die Frühstücksentscheidung auf: Um den Berg herum ist’s sicher leichter. Das brachte uns ein paar Minuten in Vermont und schließlich in den Staat New York.

north-adams-ma-clifton-pk-ny_map

Das „Staatensammeln“ gehört nicht wirklich zu den Zielsetzungen dieser Tour. Es gibt freilich Radler, die auf einer einzigen Tour alle Staaten – manche eben nur ein winziges Stück – befahren haben. Wir beschränken uns auf minimalistische Foto-Souvenirs.

Der mächtige grüne Bergriegel, der einen leichten Weg nach Albany, NY, im Westen verbarrikadiert, die grünen Hänge im Osten und satte grüne Felder in der Talsohle – dieses mal täuscht der Name „Green Valley“ nichts vor. Landwirtschaftsbetriebe, ein paar Brachen, kleine Wohnhäuser, nichts Schmuckes. Vielleicht ist der Farmer auch Nebenerwerbsbauer und fahrt mit seinen gelben Schulbussen die Kinder von und zur Schule?

Bei so einer selbstverherrlichenden Begrüßung regen sich die alten, antiautoritären Geister: welcome to the „Empire State!“

Und damit man auch gleich wieder weiß, wer und welche Mobilitätstechnologie hier herrschen – Eisenbahntrassen sind nur mehr etwas für nostalgische rails-to-trails-freaks.

Eine eingleisige Anlage, von der ab und an mal eine Abzweigung ins rail-dead-end führt, wird noch befahren: Unendlich lange, von schweren Diesellokomotiven – meist in Doppeltraktion – gezogene Züge rattern durch das immer weiter werdende Tal, wohl nach Albany, Regierungssitz, Hauptstadt des Staates New York. Steht nicht auf unserer Präferenzliste – wollen lieber nördlich umfahren.

Ich kann mich nicht erinnern, je in meinem Leben so ein kaputt gegartes, mit irgendeiner roten galertigen (irgendwann einmal originären) Tomatenmasse angesoffenes Etwas, das sich sausage-sandwich-french-fries-double-super oder so ähnlich nannte, aus einem Pappkartonbehältnis unter Zuhilfenahme eines messer- und gabelähnlichen Werkzeugsets in meinen Mund befördert zu haben. Der Glaube, dass da auch nur ein einziges Molekül Nährgehalt dabei sei, war nicht zu überbieten. Vielleicht waren’s schlicht und einfach Hunger und Angst, vom Sattel zu kippen, die mich zu dieser Vertilgungstat bewogen haben. Auch das mit Lebensmittelfarbe zur Augenweide mutierende Früchtetörtchen aus dem Styroporschalerl war ein „must“. Die Kneipe am Straßenrand war den Besuch wert – rundum war meilenweit nichts von irgendeiner Besiedelungsform zu sehen.

In Hoosick Falls versuche ich, bei einer Reifenhändlerin Luft für mein Radl zu kriegen – an den Tankstellen, wie das zuhause unschwer möglich ist, geht das hier nicht: Hier verlangen sie für die (Atem-)Luft einen quarter und du weißt nicht einmal, wieviel Luft in den Reifen dann drin ist, weil die Manometer meistens hin sind. Die Reifenhändlerin schickt mich zum Elektriker am Eck, ihre Jungs sind gerade auf Mittagspause. Der Elektriker hat eine elektrische Luftpumpe, widerwillig meint er: „Why do you guys not carry your own pump?!“ Ich sag‘ nichts und rolle mit 62 psi in jedem Reifen zufrieden weg.

Hanna war inzwischen „sightseeing“ in Hoosick Falls

Das Quartierangebot entlang unserer Strecke ist fast so aufbauend wie die Ernährungssituation. Und das Wissen irgendwelcher Einheimischer über diese beiden Lebensgrundlagen für Fremde, die sie diesbezüglich ansprechen, ist meist nicht einmal endenwollend, weil es gar keinen Anfang hat. Die Suche nach einem Motel zwingt uns, von der geplanten Nordumfahrung Albanys abzuweichen. Nach rund zehn Kilometern, zwei vollbelegten Motels landen wir in einem Comfort Inn. Fast hätten wir heute die 100 km Marke erreicht.

An Mecanicville, wo wir vorher den Hudson River überquerten, ist nicht nur der Ortsname bemerkenswert. Ob so ein „Denk-Schild“ mal den Wiener Stadtgewaltigen einfallen wird – sie vergessen wohl lieber ihre Herkunft.

Mehr Bilder zum hiermit abschließenden Thema „Anradeln“ hier.

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One Comment leave one →
  1. Claudia permalink
    Donnerstag, 14. Juli 2011 19:59

    Lieber Peter!,
    Gabi und ich waren gerade fleißig und haben uns mit deinem Tourtagebuch belohnt.Wir sind von deinen Schilderungen und Fotos begeistert.
    Du wirst uns sicher viel zu erzählen haben, wenn du wieder da bist.
    Passt auf euch auf, bringt Kultur nach Übersee (beim Essen muss es ja wirklich schlimm sein) und schreibt recht fleißig weiter.
    Danke

    Bussale Claudia und Gabi

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